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Beiträge zum Weitelesen:

Gerhard Begrich und Markus Böttcher über die Josefsgeschichte Genesis 37-50

Beiträge aus älteren Boten

Wolf Biermann Konzert

Errmutigung 2, Wolf Biermann im Konzert am 26.05.2022 in der Christophoruskirche – ein Ereignis!
Drei Fragen - drei Antworten

Pastor Markus Böttcher stellt drei Fragen und Wolf Biermann antwortet
 
Sie wohnten im September 1968 für einige Wochen in Friedrichshagen, in ähnlich dramatischer Zeit wie heute, auch da rollten russische Panzer uneingeladen durch fremde Städte – vor allem durch Prag. Was empfinden Sie bei dieser grausigen, ja im Grunde noch grausigeren Wiederholung der Geschichte?
 
Ja, es ist, wie Sie sagen: eine Wiederholung.
Im Jahre 1852 schrieb Karl Marx in seiner Streitschrift „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“ einen Satz, der gern flapsig flott zitiert wird:
„Hegel bemerkt irgendwo, daß alle großen weltgeschichtlichen Thatsachen und Personen sich so zu sagen zweimal ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: das eine Mal als große Tragödie, das andre Mal als lumpige Farce.“
 
Der Wolf sowieso - aber offenbar auch der Hirte in der Christophorus-Kirche und sogar die nachgeborenen Schafe erinnern sich in diesen finsteren Zeiten an den Einmarsch der übermächtigen Sowjet-Armee 1968 in die ČSSR.  Russischen Luftlande-Panzer schlugen damals über Nacht die Demokratiebewegung, also den „Prager Frühling“ seit dem 21. August blutig nieder. Und natürlich vergleichen wir heute diesen Krieg mit Wladimir Putins blindwütigen Blitzkrieg gegen die demokratische Ukraine. Ja, Geschichte wiederholt sich, aber bei genauerem Hinsehen erkennen wir die interessanten Unterschiede. Es ist, wie Sie es sagen, nicht so schlimm wie damals, nein es ist schlimmer. Denn dieses mal wütet die Furie des Krieges noch blutiger.  Und Putins Krieg ist noch verlogener, weil die Untertanen des Hitler-Stalin-Zaren den Krieg nicht mal einen Krieg nennen dürfen. Auch Worte sind eben wichtig. Das ist die Sprache „Neusprech“ aus dem Schreckens-Roman von George Orwell „1984“ 
Vonwegen „lumpige Farce“ - nun trifft auch das treffende Zitat von Marx nicht mehr. „Lumpig“ ist ein viel zu drolliges Schimpfwort für dieses Kriegsverbrechen. Putins Eroberungskrieg mit supermodernen Vernichtungswaffen ist keine Farce, sondern eine globale Tragödie - nein, viel schlimmer: es ist der Anfang eines Dritten Weltkrieges. Dazu werde ich, lieber Pastor, in Friedrichshagen paar passende Lieder liefern.
Der Brecht dichtete mal eine gute Frage und dazu ein treffende Antwort:
     „In den finsteren Zeiten, wird da auch gesungen werden?
     Da wird auch gesungen werden - von den finsteren Zeiten!“
 
 
1968 war nicht nur für die Menschen in Prag, sondern auch für Sie und andere in der DDR eine schlimme Zeit. Sie hatten seit Jahren Auftrittsverbot, Ihre Gedichte wurden in Westberlin gedruckt, im Osten gab man sie heimlich handgeschrieben weiter, der junge angehende Dramatiker Thomas Brasch klebte Ihr „In Prag ist Pariser Commune“ handgedruckt an Häuserwände. Nach dem Einmarsch der Russen in die Tschechoslowakei (ČSSR) gab es Verhaftungen auch in der DDR und Sie hatten die berechtigte Angst, nach Bautzen (in das damalige politische Gefängnis) gebracht zu werden. Nachdem Sie, wie in Ihrer Biographie beschrieben, vergeblich versucht hatten, Ihre Manuskripte zu verbrennen, dafür aber erfolgreich Ihren Bart abrasiert hatten, flüchteten Sie über Um- und Schleichwege nach Friedrichshagen und nahmen dort unter falschem Namen Quartier. Ist heute das Gefühl der Scham über die ängstliche Flucht stärker - oder das Gefühl des Stolzes, dass Sie im entscheidenden Moment für die Staatsicherheit nicht auffindbar waren?
 
Ich hatte immer auch Angst, denn die war ja begründet. Heinrich Heine schreibt in seinem Gedicht „Enfant Perdu“  ein wahres Wort: „Nur Narren fürchten nichts“
Die Kader der DDR-Diktatur  fühlten sich von meinen total verbotenen Spottliedern bedroht. Eine totalitäre Diktatur funktioniert sicher nur ganz oder gar nicht. Den ganzen Haß der SED-Apparatschiks hatte ich mir mit meinen rebellischen Gedichten seit Jahren redlich erworben. Aber in diesen Wochen 1968, nach dem siegreichen Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten gegen die wehrlose ČSSR, geriet ich in Panik: Ich hatte Angst, daß Ulbricht & Genossen  im panischen Rausch ihres militärischen Sieges mich entsorgen, so oder anders oder noch anders, also rein oder raus, auf DDR-Deutsch: Bautzen, totschlagen oder Westen. Kurz gesagt: Ich hatte nicht mehr die normale Furcht im Streit der Welt, so wie in all diesen harten Jahren. Nun hatte nicht ich die Angst, sondern die Angst hatte mich.
 
 
Georg Liebig, der Sohn von Emmchen, in deren Dachkammer Sie da wohnten, zeigte mir ein Manuskript von Ihnen, mit Noten auf handgezogenen Linien: „Es senkt das deutsche Dunkel sich über mein Gemüt“. Sie schreiben weiter (schrieben Sie es in der Dachkammer?) und sangen später: „Es dunkelt übermächtig in meinem Lied“. Was gab Ihnen in dieser Zeit des „Dunkelns“ Trost?

Es war ein Trost für mich Gottlosen und zugleich eine moralische Lektion, dass solche eigentlich unpolitischen DDR-Christen wie die Bäcker-Familie Liebig, in Friedrichshagen bei Berlin mir eine Höhle gab, in die ich mich verkriechen konnte. In diesen finsteren Zeiten fand ich eine Herberge nahe dem Müggelsee.
Die taff-praktische Bäckersfrau Emmchen und ihr sanftmütiger, nein: sanftmutiger Mann Erwin  und der träumerische  Sohn Georg - sie nahmen - wie selbstverständlich - den kleinen „staatlich anerkannten Staatsfeind Biermann“ mit dem „abben“ Bart  bei sich auf in der Dachkammer. Früh morgens weckte mich der himmlischen Duft des frischen Brotes von unten aus der Backstube. Er stieg die drei Treppen hoch, mir in die Nase. Ich war dankbar dafür, daß diese gütigen Menschen mich morgens mit einem knusprigen Brötchen und guter Butter und Honig fütterten, dazu Bohnenkaffee mit genug frischer Milch. Solch ein Frühstück genoss ich nie vorher und nie nachher. Für mich war ein Kuss in die Seele, ein kleines Paradies in der Hölle.

Post aus der Ukraine Brief 1 Brief 2

Bilder von unserer Ausstellung RANDZONE – Michael Otto

Kund (schaft) tun
Verkündigung wird zumeist mit Sprechen gleichgesetzt, doch allein Malerei, Grafik oder Plastik wurden schon seit jeher zum Verkünden von Botschaften genutzt – wortlos.
Auch Musik spricht, ohne Worte.
Zum Ende der Ausstellung „Verkündigung“ laden Ingrid Bertel (künstlerische Aktion) und Hanno Koloska (Musik) zu einer Erkundung ein.
Was haben wir im Leben erfahren, um es kundtun zu können? Was ist davon des Verkündens wert? Begleiten Sie uns als Kundschafter.