Fastenzeit

Religionsstunde mit Pfr. Markus Böttcher

Wer keine Religionsstunde braucht, der blättere einfach weiter. Hier geht es um die Grundlagen – immer passend zur Kirchenjahreszeit.

Die Passionszeit beginnt mit dem Aschermittwoch, wo katholische und neuerdings gern auch evangelische Christen ein Aschekreuz auf die Stirn gemalt bekommen, und dauert 40 Tage, so lange, wie Jesus in der Wüste gefastet hat (Matthäus 4,2), ein Tag für ein Jahr, in dem das Volk Gottes scheinbar ziellos in der Wüste herumgeirrt ist (40 Jahre, nachzulesen im zweiten bis fünften Buch Mose). Deshalb heißt sie auch Fastenzeit. In den Klöstern und frommen Häusern, im Mittelalter in allen Häusern, wurde außer Sonntag (Breakfast, das Sonntagsfrühstück) kein Fleisch gegessen, dafür Fisch. Cottbuser Franziskaner haben dafür bei Peitz Teiche angelegt, in denen bis heute die Karpfen auf ihren Verkauf (besonders zu Silvester) warten.

Die Wüstenzeit war für das Volk Israel eine Zeit besonderer Nähe zu Gott, hier redete Er mit Mose, hier erhielten sie die Gebote des Lebens, hier wies ihnen der HERR direkt den Weg in einer Wolkensäule. Gottesnähe ist auch das Ziel aller, die diese Zeit mit dem Verzicht auf Dinge verbringen. Manche verzichten auf Alkohol, andere auf fettes Essen oder Autofahren, heute ist das jedem selbst überlassen.

Die Passionssonntage haben geheimnisvoll klingende Namen wie Invocavit, Reminiszere, Oculi, was jeweils die ersten Worte der lateinischen Sonntagspsalmen sind (Invocavit me, er ruft mich an, Psalm 91,15). In den Gottesdiensten werden Texte gehört, die von der Sünde (1. Mose 3), der Wüste oder vom Leiden (Hiob 2) erzählen, insbesondere vom Sterben Jesu (Johannes 12).

In der sechsten Fastenwoche sind bei uns die Schulferien, da denkt man nicht so gern an Leiden und Verzicht. Dabei ist die Karwoche (von althochdeutsch kara, Trauer), die mit Palmsonntag, dem Einzug Jesu in Jerusalem, beginnt, der Höhepunkt der Passionszeit. In katholischen Ländern wie Italien, Spanien und den Ländern Lateinamerikas finden jeden Tag traurig-feierliche Prozessionen statt. Eine bis zu 15 m lange schwere Holzplatte mit Figuren, die Szenen aus der Passion Jesu zeigen, wird von unzähligen Männern, die in religiösen Bruderschaften (span. hermandades) ein halbes Jahr lang dafür üben, durch die Straßen getragen. In Mittelamerika werden die Straßen sogar mit Teppichen aus Blumen, Blättern oder Sägemehl geschmückt.

Am Gründonnerstag feiert die christliche Gemeinde die Einsetzung des Abendmahls. In der Christophoruskirche ist das ein Gottesdienst am Tisch. Der Karfreitag ist der höchste Tag der Passionszeit. Blumen, Kerzen und Decken verschwinden vom Altar, auch die Orgel schweigt, und es wird die Geschichte der Kreuzigung gelesen.

Und die Ostereier? Auch wenn es die schon im Februar zu kaufen gibt, Finger weg! Ostereier gibt es erst zu Ostern, wo die fleisch- und eierlose Zeit endet. Am Karsamstag werden weiße gekochte Eier in den Häusern der Lausitzer Sorben und auch in unserer Christophoruskirche kunstvoll mit heißem Wachs (mittels spezieller Werkzeuge aus Gänsefedern oder Stecknadeln) verziert und in verschiedene Farben getaucht. Die reich geschmückten Eier finden ihren Platz am Ostersonntag auf dem Altar.